Donnerstag, 8. Juli 2021
Der Junge muss an die frische Luft (Film-/Buchkritik)
FILM: Der Junge muss an die frische Luft
2018 Deutschland, von Regisseurin Caroline Link, UFA Fiction GmbH / Warner Bros GmbH (Universal Pictures)


Ich habe mir den ganzen Film über gewünscht das große Warum und das Woher der Krankheiten der Mutter tiefer zu ergründen. Da der Film aber weder die Mutter noch ihr Krankheitsbild im Fokus hat, sondern eben Hape Kerkelings Kindheitserinnerungen, kann ich absolut verstehen, dass vielen Zuschauern dieses Niveau an Ergründung zu diesem Thema aus Kindheitsperspektive genügt. Der Film ist einfach auch für ein junges Publikum geeignet und geht vielleicht daher nicht so hart in die psychologische Theamtik hinein. So sehr ich mir das auch wünsche.

Der Film ist für mich großartig als Biografie und auch als Heimatfilm, gar keine Frage! Aber für jemand der diesen Film oder auch das Buch empohlen bekommt, aufgrund des Krankheitsbildes der Mutter, kratzen beide Medien eben nur an der Oberfläche der schwierigen Thematik. Auch wenn dies auf eine absolut liebevolle und mitfühlende Art geschieht.

Kurzum als Trauernde kann ich den Film auf jeden Fall als trostspendend und lebensbejahend weiterempfehlen.
Und auch als erster Kontakt zum Thema Suizid und Depressionen und Ihren Ursprüngen hat der Film viel für die Deutsche Allgemeinheit bewegt. Die Geschichte ist ein Eisbrecher ohne sachlichen Tiefgang zum Thema Suizid.


BUCH: Hape Kerkeling, Der Junge muss an die frische Luft - Meine Kindheit und ich, 2014 Piper Verlag GmbH, München, ISBN: 978-3-492-05700-4 Paperback, EUR 19,99

Zur Thematik Suizid liefert das Buch im Gegensatz zum Film noch einen zusätzlichen Denkanstoß, der mich neben der Beschreibung zum Verlust der Mutter sehr bewegt hat.
Herr Kerkeling schreibt vermutlich nach rückwirkender Analyse und Erörterung seiner Erinnerungen und Erfahrungen warum seine Mutter als es eskalierte nicht ins Krankenhaus oder die Psychiatrie gebracht wurde.

Er vermutet, dass sein Vater von dessen Vater gelernt hatte zum eigenen Schutz bestimmte Themen nie anzusprechen. [Zitat Kerkeling: Die Kultur der allgemeinen Verleugnung] ist, da Stimme ich dem Autor bei, eine tiefsitzende Krankheit der Nachkriegszeit.
Außerdem ist auch aus dieser Nachkriegszeit die Angst geblieben, aussortiert oder ausgegrenzt zu werden. Z. B. als behinderter oder kranker Mensch benachteiligt zu werden, ob nun direkt oder indirekt. [Zitat Kerkeling: Depressionen haben leider auch in den frühen 1970er Jahren noch den Beigeschmack von "Minderwertigkeit", "geistiger Behinderung" und "Irresein". Über so etwas spricht man nicht! Das hat es nicht gegeben.]

Herr Kerkeling liefert damit eine simple und schmerzlich treffende Erläuterung dafür, dass wir bis heute in Deutschland mit dem Stigma der Psychischen Krankheiten kämpfen. Es ist erstaunlich, dass Herr Kerkeling ganz Nebenbei, einem sehr weiten Publikum, auf diese so schwere Thematik hinweist und leicht verständliche Antworten liefert, die eigentlich nicht glasklarer sein könnten. Er bringt es ganz einfach auf den Punkt. [Zitat Kerkeling: Man kann und muss in angemessener Form über alles reden.]
Selbstverständlich ist Herr Kerkeling mit einem vorzüglichen Humor gesegnet und daher im Vorteil, wenn es um den Umgang mit Menschen und dem führen von schwierigen Dialogen geht. Dennoch bin ich der Meinung wir alle sollten, spätestens wenn es darauf ankommt, über alles reden können müssen. Über das Problem sprechen ist fast immer der erste Schritt Weg vom Suizid bzw. Suizidversuch.

Voll Reue kann ich das heute aus sehr persönlicher Perspektive bestätigen.

16.5./6.6.21

Hape Kerkeling, Der Junge muss an die frische Luft - Meine Kindheit und ich © 2018 Piper Verlag GmbH, München
Bild: Buchcover; Hape Kerkeling, Der Junge muss an die frische Luft - Meine Kindheit und ich © 2018 Piper Verlag GmbH, München


Kurze YouTube Filmkritik: «Der Junge muss an die frische Luft» von Caroline Link in «Keine 3 Minuten» vom SRF Kultur (Schweizer Radio und Fernsehen)

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Montag, 14. Juni 2021
Wähle deine Schlachten weise...
Wähle deine Schlachten mit Bedacht aus. Schließlich wird das Leben nicht daran gemessen, wie oft Sie aufgestanden sind, um zu kämpfen. Es sind keine gewonnenen Schlachten, die dich glücklich machen, aber es ist, wie oft du dich abgewandt hast und dich entschieden hast, in eine bessere Richtung zu schauen. Das Leben ist zu kurz, um es für Kriege auszugeben. Kämpfe nur gegen die wichtigsten, die aller aller wichtigsten, lass den Rest los.

C. JoyBell C. (Übersetzung)

Bild: pica58 / pixabay.com
https://pixabay.com/de/photos/see-abendstimmung-wolken-nach-sturm-743422/

Choose your battles wisely. After all, life isn't measured by how many times you stood up to fight. It's not winning battles that makes you happy, but it's how many times you turned away and chose to look into a better direction. Life is too short to spend it on warring. Fight only the most, most, most important ones, let the rest go.

C. JoyBell C. (Original)

28.04.21

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Donnerstag, 22. Oktober 2020
Die Sehnsucht nach Suizid einfach erklärt
Überschneiden sich zeitnah die folgenden drei Aussagen (oder ähnliche Aussagen);

"Ich bin allein.",
"Ich bin eine Last,.",
Hoffnunlosigkeit "Es wird nicht besser.",

ist die Sehnsucht nach dem Suizid bereits vorhanden.


• Wir verlieren weltweit über 800.000 Personen pro Jahr an Suizid (*davon ca. 10.000 in Deutschland).

• Es ist die 10. häufigste Todesursache weltweit.

• Zwei der führenden Faktoren, die dem Suizid verhelfen, sind Isolation und sich wie eine Last für andere fühlen.

• Den Mund unbedingt aufmachen, wenn Selbstmordgedanken nichts mit Aufmerksamkeitssuche zu tun haben.

• Du bist nicht schwach, nur weil du geistige Gesundheitsprobleme hast.

#RetteLeben #BrichDasStigma

Bild: Uplift Connect - 8. September 2020 und
The Depression Project · 1. September 2020
Übersetzung: Anna Mestisa

Mehr unter: https://thedepressionproject.com/
The Depression Project · 1. September 2020 · Facebook

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Montag, 14. September 2020
10.09. Welt-Suizid-Präventionstag
Freunde fürs Leben e.V.

Grafik gesichtet auf:
https://attitudeblog.org/2017/09/09/10-september-welttag-der-suizidpraevention/

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10. September: Suizidpräventionstag
Fürstenberg Institut GmbH, WHO, UCDP

Grafik gesichtet auf Twitter: https://twitter.com/Peter__Panter/status/1039254559900749824/photo/1

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Mittwoch, 17. Juni 2020
The Bridge - Filmkritik
2006 UK / USA, von Regisseur Eric Steel

Bild: Easy There Tiger Productions, First Stripe Productions, RCA


Diese Dokumentation beschäftigt sich mit Suizidopfern der Golden Gate Bridge in San Francisco von Interviews mit Hinterbliebenen, Augenzeugen, Ersthelfern und echten bizzaren Aufnahmen mehrerer Suizidakte und Suizidversuche.
Die Golden Gate Bridge ist nach der Nanjing-Jangtse-Brücke in Nanjing (China) der von Suzidanten am häufigsten gewählte Todesort von einem historischen Bauwerk.
Laut Trailer und Filmbeschreibung sollten auch Überlebende in der Dokumenation zu Wort kommen. De Facto war es ein Überlebender, der zu Wort kam.

Als Filmvorlage diente der Artikel "Jumpers - The fatal grandeur of the Golden Gate Bridge" von Tad Friend aus der Zeitung The New Yorker 6.8.2013.

Leider geht es in dieser Dokumentation mehr um die Faszination und Mystik dieser Brücke und ihrer mutmaßlichen Bedeutung für die Suizidanten als um die Suizidanten selbst. Das wirkt auf mich wie ein vergeudeter Fokus.
Natürlich empinde ich es bizzar, dass Suidzidanten an Touristen und Hobbysportlern vorbei laufen an ihr letztes Ziel im Diesseits, während eben andere die beste Zeit ihres Lebens dort haben. Aber den Fokus darauf zu legen, lenkt die Dokumentation in Sensationlust anstatt auf die Wahrheitssuche, wie ich es von einer Dokumenation erwarte. Davon abgesehen ist der Schnitt zwischen den Angehörigen schlecht gemacht. Da zum Teil zwischen den Fällen der Suizidanten gesprungen wird, ist man sich nicht immer gleich im Klaren über wenn die aktuelle Person im Bild nun redet.

Die Interviews mit den Hinterbliebenen sind durchaus informativ und taktvoll gestaltet. Man bekommt zum Teil einblicke in das Leben des Suizidanten, die letzten Kontakte mit den Hinterbliebenen, den Leidensweg und mehr. Es war sicher nicht leicht, hierfür Familien und Freunde der Suizidanten zu gewinnen. Jedoch stört mich ein wenig, dass nur Fälle von Suizidanten mit Vorgeschichten von psychischen Störungen zu Wort kommen. Auch bei Suizidanten der Golden Gate Bridge werden Fälle dabei sein, in denen keine psychsiche Krankheitsgeschichte vorlag und eben keiner der Hinterbliebenen etwas geahnt hat. Vielleicht sind diese fehlenden Fälle ebenfalls dem schlechten Schnitt zu verdanken.

Das man in dieser Dokumenatation das Bild der Brücke, vor allem der Golden Gate Bridge, umhühlt vom Nebel optisch als Brücke zwischen Diesseits und Jenseits mystifiziert, finde ich kitschig und schlichtweg naiv. Ich verstehe, dass jemand in seiner dunkelsten Stunde und meine DeutschlehrerInnen das so sehen mögen, aber doch nicht ein Dokumenationsregisseur eines so heiklen Themas. Es fast das Problem am Thema Suizid viel zu simpel und zu romantisch zusammen. Das Hinter dem Nebel lange nur bodenloses Nichts und dann viel hartes eiskaltes Wasser und dann nur fassunglose Verwandte und Freunde folgen wird schön ausgeblendet oder in diesem Fall weich gespühlt.

FAZIT: Alles in allem für meinem Geschmack eine zu sensationsorientierte und äußerst ziellose Dokumentation zum Thema Suizid an der Golden Gate Bridge.


Daher an dieser Stelle direkt eine Youtube Empfehlung über eine Rede eines ehemaligen Polizisten der Jahre lang u.a. an dieser Brücke patroulierte und Menschen rettete als auch verlor.
TED Talk from Kevin Briggs: "The Bridge between Suicide and life"
Mir gibt diese Rede in 14 Minuten mehr als die ganze Dokumenataion in 95 Minuten.

8.6.2020

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Dienstag, 2. Juni 2020
Suizid: Lebensversicherungen und Selbsttötungsklauseln
Risikolebensversicherung zahlt nicht: Todesursache ist entscheidend

"Im Falle eines Selbstmords (Suizid) wird die Versicherung die Todesfallsumme den Hinterbliebenen nur dann auszahlen, sofern nachgewiesen werden kann, dass der Versicherte einen durch psychologische Gutachten nachgewiesenen labilen Gemütszustand hatte. Wenn der Versicherungsnehmer also aufgrund seiner labilen Psyche Selbstmord begeht, gilt in diesem Fall die freie Willensbestimmung als eingeschränkt, und die Versicherung verpflichtet sich dazu, den Betrag den Hinterbliebenen auszuzahlen. Im Falle eines Suizides haben jedoch alle Versicherer eine Karenzzeit, die im Normalfall drei Jahre dauert. Sollte sich der Versicherer innerhalb dieser drei Jahre ohne einen ersichtlichen Grund das Leben nehmen, zahlt die Versicherung nicht, außer die bereits eingezahlten Beiträge."

aus: Rechtsanwalt Dr. Timo Gansel, Kanzlei Gansel Rechtsanwälte, Berlin, Risikolebensversicherung zahlt nicht: Das raten Experten


Muss der Lebensversicherer auch bei Suizid leisten?

"Rechtsanwalt Lutz Weiberle, Fachanwalt für Versicherungsrecht und für Medizinrecht:
Oft wird auf diese Frage mit Nein geantwortet und das ist ein Irrtum. Eine Beschränkung der Leistungspflicht besteht in der Regel nur für die ersten drei (u.U. fünf) Jahre nach Zahlung der ersten Prämie. Nach Ablauf dieser sogenannten Wartefrist besteht für die Hinterbliebenen bzw. Begünstigten der Anspruch auf die Versicherungssumme. Bis zum 31.12.2007 war dies in den Musterbedingungen mit teilweise unterschiedlichen Wartefristen geregelt. Ab dem 01.01.2008 ist dies für Neuverträge gesetzlich in § 161 Versicherungsvertragsgesetz geregelt:

Versicherungsvertragsgesetz (VVG)§ 161 - Selbsttötung
(1) Bei einer Versicherung für den Todesfall ist der Versicherer nicht zur Leistung verpflichtet, wenn die versicherte Person sich vor Ablauf von drei Jahren nach Abschluss des Versicherungsvertrags vorsätzlich selbst getötet hat. Dies gilt nicht, wenn die Tat in einem die freie Willensbestimmung ausschließenden Zustand krankhafter Störung der Geistestätigkeit began-gen worden ist.
(2) Die Frist nach Absatz 1 Satz 1 kann durch Einzelvereinbarung erhöht werden.
(3) Ist der Versicherer nicht zur Leistung verpflichtet, hat er den Rückkaufswert einschließlich der Überschussanteile nach § 169 zu zahlen.
Mittels Einzelvereinbarung können aber höhere Fristen vereinbart werden. Daher sollten in jedem Einzelfall die konkreten Vereinbarungen mit dem Versicherer überprüft werden."

aus: AGUS e.V., Bayreuth (Herausgeber), Elisabeth Brockmann/ Lisa Höfflin/ Chris Paul/ Lutz Weiberle, Suizid und Recht - Hilfen in der Trauer nach Suizid. AGUS-Schriftenreihe


Desillusioniert vom vertrauensvollen Umgang mit Versicherten

"Gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstand die erste Lebensversicherung nach heutigem Verständnis. 1583 wurde in London das Leben von „William Gybbon“ versichert. Diese Lebensversicherung hatte eine Laufzeit von einem Jahr. Allerdings weigerte sich die Versicherung die vereinbarte Summe auszuzahlen, als Gybbons 364 Tage später verstarb.

Diese frühen Formen der Lebensversicherungen wurden meist zwischen Geschäftsleuten oder Handwerkern abgeschlossen, deren Geschäfte auf Vertrauen und positiver Reputation basierten. Man kannte sich also und ging davon aus, dass das Gegenüber vertrauenswürdig war. Dies änderte sich, als Anfang des 18. Jahrhunderts massenhaft Versicherungen gegen Feuer und Tod aufkamen.
Tausende Versicherungen wurden abgeschlossen, wodurch es unmöglich wurde, jeden Versicherten und dessen Reputation persönlich zu kennen. Schnell wurde deutlich: Menschen, die bereits krank waren, schlossen eher Lebensversicherungen ab und es wurde betrogen, wo es nur ging.

Darauf reagierten die Versicherungen wiederum, indem sie begannen ausführliche Gesundheitsprüfungen durchzuführen, das Umfeld des Versicherungsnehmers zu prüfen und die Auszahlungsbedingungen zu verschärfen. So setzten sich die ersten Suizidklauseln durch.

Kein Geld bei Tod durch die eigene Hand, Duell oder Hinrichtung! So enthielten die Standardvertragsbedingungen der 1823 gegründeten Massachusetts Hospital Life Insurance Company folgenden Passus: „…in case he shall die by his own hand, in, or in consequence of a duel, or by the hands of justice, […], this Policy shall be void, null, and of no effect.“

Der Blick in die Vergangenheit zeigt: Schon im 18. Jahrhundert mussten sich die Versicherungen Strategien gegen Versicherungsbetrug einfallen lassen. Die Selbstmordklausel ist eine davon.
Der Name klingt zwar makaber, doch die Selbstmordklausel dient sowohl dem Schutz des Versicherungsunternehmens, als auch dem Schutz des Versicherten. Sie wirkt der Verlockung entgegen, die Hinterbliebenen mit einer Risikolebensversicherung finanziell abzusichern, um sich dann – guten Gewissens – das Leben zu nehmen."

aus: Dennis Just (Knip), Die Selbstmordklausel – Makabrer Paragraph schützt Versicherer, 22.6.2016

gefunden 23.5.20

Bild: Free-Photos | pixabay.com
https://pixabay.com/de/photos/schreiben-stift-mann-tinte-papier-1149962/

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Dienstag, 26. Mai 2020
Suizid: Polizeiliche Ermittlungen
"§159 Strafprozeßordnung verpflichtet die Polizei zur Aufnahme von Ermittlungen bei jedem nicht natürlichen Todesfall und beim Auffinden eines unbekannten Toten. Die entsprechende Eintragung auf dem Totenschein ist „unbekannte Todesursache“ oder „nicht-natürliche Todesursache“.

§159 Strafprozessordnung
(1) Sind Anhaltspunkte dafür vorhanden, daß jemand eines nicht natürlichen Todes gestorben ist, oder wird der Leichnam eines Unbekannten gefunden, so sind die Polizei- und Gemeindebehörden zur sofortigen Anzeige an die Staatsanwaltschaft oder an das Amtsgericht verpflichtet.
(2) Zur Bestattung ist die schriftliche Genehmigung der Staatsanwaltschaft erforderlich.

Die Ermittlungen werden von dem zuständigen Polizeikommissariat oder von normalen Streifenbeamten durchgeführt, manchmal von beiden. Es wird überprüft, ob ein Unfall oder Verschulden Dritter vorliegt (fahrlässige Tötung, Mord).

Durch die mündliche Vernehmung der Angehörigen vor Ort wird versucht, ein eindeutiges Motiv für eine Selbsttötung herauszufinden. Die Leiche wird oberflächlich untersucht und fotografiert, weitere Indizien sind Gegenstände wie Tagebücher und Abschiedsbriefe, die beschlagnahmt werden können (§ 94 Strafprozeßordnung).


Im Rahmen der Ermittlungen geschieht folgendes:
Angehörige werden – meist zuhause – zu möglichen Ursachen für einen Suizid und zur Vorgeschichte befragt. Als Beweismittel kann z. B. das Tagebuch des Verstorbenen oder ein Abschiedsbrief beschlagnahmt werden. Nach einigen Tagen bekommen Sie diese Gegenstände zurück. Manchmal werden Angehörige oder Freunde aufgefordert, den Leichnam zu identifizieren. Wenn Sie Angst davor haben oder es Ihnen zu schwer fällt, können Sie dies ablehnen und darum bitten, dass jemand anderes das tut.

Die Protokolle der Ermittlungen sind Grundlage für die Entscheidung der zuständigen Staatsanwaltschaft über die Freigabe der Leiche oder einen Antrag auf Leichenschau bzw. Leichenöffnung. Diese Entscheidung kann aber nur Polizeiliche Ermittlungen die Staatsanwaltschaft treffen, deshalb dauert es bis dahin immer mindestens zwei oder drei Tage. Sobald feststeht, dass der Tod nicht durch Unfall oder Mord verursacht wurde, werden die Ermittlungen eingestellt.

Ein Toter ist im polizeilichen Sprachgebrauch ein „Gegenstand“. Der Leichnam wird beschlagnahmt und darf bis zum Transport in die Gerichtsmedizin nicht berührt oder versorgt werden. Bis zur Freigabe der Leiche durch die zuständige Staatsanwaltschaft wird sie im gerichtsmedizinischen Institut oder in einem Bestattungsinstitut bzw. einer Leichenhalle aufbewahrt. Im Gerichts-medizinischen Institut wird der Leichnam auf jeden Fall äußerlich untersucht, jedoch nur in Ausnahmefällen auch obduziert, um einen Mord auszuschließen. Die Angehörigen haben in der Regel keine Möglichkeit, die Tote oder den Toten in dieser Zeit zu sehen."

aus: AGUS e.V., Bayreuth (Herausgeber), Elisabeth Brockmann/ Lisa Höfflin/ Chris Paul/ Lutz Weiberle, Suizid und Recht - Hilfen in der Trauer nach Suizid. AGUS-Schriftenreihe

gefunden: 23.5.20

Bild: Johanna Buguet | unsplash.com
https://unsplash.com/photos/u5L8EFY1RT4

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Freitag, 15. Mai 2020
Suizid: Große Trauer, aber auch Wut und Schuld - Widersprüchliche Gefühle
"Zwischen einem normalen Todesfall wie zum Beispiel durch einen Unfall oder durch Krankheit und einem Suizid gibt es große Unterschiede für die Verbliebenen. Bei Krankheit oder Unfalltod können sie sich umfassender Trauer widmen. Auch wenn der Verlust so schmerzhaft erscheint, wie noch nie etwas anderes zuvor, kann man sich langsam aber sicher wieder dem Leben nähern.

Bevor das aber nach dem Suizid eines Partners passiert, muss sich der betroffene Partner oft noch mit Schuld und Scham auseinandersetzen. Fragen wie: Hätte ich es verhindern können? Gab es Anzeichen? stehen ständig im Raum.

Zu der immensen Trauer gesellen sich dann häufig noch Wut und eben diese starken Schuldgefühle. Diese Widersprüchlichkeit tritt so nicht bei normalen Todesfällen auf."

aus: Suizid des Partners - Wie soll man nur weiterleben? 25.07.2017, Wunderweib.de, Bauer Xcel Media Deutschland KG / Bauer Media Group, Hamburg

Bild: Annie Spratt | unsplash.com
https://unsplash.com/photos/RMj_T-DMgDA

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Montag, 20. April 2020
Suizid: Selbstmord, Freitod und andere Umschreibungen
"Eine völlig wertneutrale Beurteilung eines Suizids ist wohl nicht möglich. Dazu geht es zu sehr an existenzielle Fragen und auch Tiefen des Menschen. Dennoch sollte im Sprachgebrauch darauf geachtet werden, dass durch bestimmte Begriffe keine unterschwellige Verurteilung mitschwingt.

Der Begriff Selbstmord drückt aus, dass es sich um einen Mord und damit um eine Straftat handelt. Über Jahrhunderte wurden Suizididenten so hauptsächlich als Täter und nicht als Opfer gesehen, was dementsprechend auch geahndet wurde: seitens der Kirchen wurden Suizididenten außerhalb des Friedhofs ohne Beisein des Pfarrers beerdigt und nach außen hin wurde der Suizid oftmals als eine plötzlich auftretende unheilbare Krankheit dargestellt. So erging es auch noch Hape Kerkeling, dessen Mutter sich 1973 das Leben nahm, als er acht Jahre alt war. Ihr Tod wurde als Hirnschlag deklariert.

Vor allem im Zuge von Amérys Forderung eines Rechts auf den eigenen Tod, hat sich der Begriff Freitod entwickelt. Doch auch hier gilt es kritisch anzumerken, ob der Mensch in der Situation des Suizids auch wirklich frei oder willig war. Der Begriff Freitod wird somit der psychischen Realität des Suizidenten, die in den allermeisten Fällen von Verzweiflung, dem Gefühl der Ausweglosigkeit, der Unfähigkeit zur sachlichen Werterfassung und der Einengung des emotionalen wie intellektuellen Wahrnehmungsvermögens bestimmt ist, nicht gerecht. Oft kommt der gefühlte Zustand eines drangvollen, inneren Zwangs hinzu.

Anstelle der Begriffe Selbstmord oder Freitod, die entweder negativ-moralisierend oder fast schon glorifizierend wirken, empfiehlt AGUS die Verwendung von Suizid oder Selbsttötung als wertneutrale Begriffe. Suizid kommt vom lateinischen "sui cadere" und bedeutet wörtlich übersetzt "sich selbst fällen". Im alltäglichen Sprachgebrauch wirkt dieser Begriff allerdings für viele noch fremd oder auch gekünstelt. Vielfach hört man daher auch Umschreibungen wie "sich etwas antun" oder "sich das Leben nehmen", was vielleicht auch ein Ausdruck dafür sein kann, dass eine gewisse Scheu vorhanden ist, sich mit dem Geschehenden auseinanderzusetzen. Gerade wenn Kindern der Suizid eines nahestehenden Angehörigen erklärt wird, sollte aber unbedingt auf umschreibende Wörter wie "eingeschlafen" oder "weggegangen" verzichtet werden, da die Kinder dadurch verwirrt werden könnten. Dazu ein Beispiel: Eine Mutter, die ihrem sechsjährigen Sohn nichts vom Suizid des Vaters sagen möchte, sondern es mit den Worten er ist eingeschlafen umschrieben hat, hat Schlafstörungen und sagt zu ihrem Sohn völlig unbedacht: „Ich kann einfach nicht einschlafen.“ Was mag der Sechsjährige da wohl denken?"

aus: Jörg Schmidt Trauer nach Suizid – (k)eine Trauer wie jede andere, AGUS-Schriftenreihe: Hilfen in der Trauer nach Suizid, Herausgeber: AGUS e.V. Bundesgeschäftsstelle, Bayreuth, überarbeitete Neuauflage 9/2018

gefunden 15.4.20

Bild: Sushuti | pixabay.com
https://pixabay.com/de/photos/blume-bl%C3%BCte-lilie-pflanze-fr%C3%BChling-4006473/

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