Dienstag, 12. Mai 2020
Glück trotz Suizid
von Talinda Bennington
(Wittwe von Chester Bennington, Frontsänger der Band Linkin Park, verstorben durch Suizid)

"[...] An alle Suizid Hinterbliebene, du KANNST wieder glücklich sein. Du KANNST Platz in deinem Herzen haben für Trauer, Freude, Glück, Traurigkeit und Liebe. Danke an euch ALLE für eure kontinuierliche Liebe und Unterstützung."

"Dein Herz weitet sich mit Liebe. Es schrumpft nicht oder schiebt jene raus, die bereits Wurzeln geschlagen haben. Ich werde meinen Ehemann, Chester, für immer lieben. Und ich werde ihn weiterhin ehren in dem ich MEIN Leben lebe. Ein Leben voll Liebe und Glück."

gefunden am 9.5.2020
Übersetzung: Anna Mestisa
Quelle: talinda320, 7.9.19, Instagram

Bild: Earth Porn 4.3.20
Earth Porn 4.3.20 Facebook
"Egal was im Leben passiert, du kannst immer von Vorne beginnen."

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Freitag, 1. Mai 2020
Suizid: Mein Bruder, der sein Leben nicht mehr wollte
von Gregor Knuth

"Gleich mit der ganzen Wahrheit zu antworten ist für die meisten Menschen schwer zu ertragen. Den richtigen Umgang mit jemandem, der mit dem Selbstmord eines Angehörigen klarkommen muss, gibt es wahrscheinlich gar nicht. Was soll man auch sagen? Es ist einfach alles viel zu schwer bei diesem Thema. [...] Ich male mir oft aus, wie wir zwei heute miteinander wären. [...]

„Hallo, hier ist Papa. Sitzt du?“ Komische Art, ein Telefonat zu beginnen, denke ich noch. [...]
Wie ich mir ein paar Tage später Hemd und Pullover von Hugo Boss in Schwarz kaufe. „Das macht superschlank“, sagt die Verkäuferin zu mir. „Mein Bruder hat sich erschossen“, antworte ich. Sie drückt mich an sich, ich weine auf ihre Polyesterbluse. Am Ende schenkt sie mir eine Rabattkarte, und ich schäme mich.
Entsetzlich, als ich Thomas’ Handy abhöre und auf die letzte Sprachnachricht meiner Mutter stoße. Sie fragt besorgt, ob er sich bitte kurz melden könne, da er seit Tagen nicht auf ihren Anruf geantwortet habe. Da war es schon zu spät. [...] Oder als mir die Nachbarn auf die Schultern klopfen und sagen, dass ich jetzt für die Familie stark sein muss, schließlich haben sie gerade ein Kind zu Grabe getragen. „Fick dich!“, brülle ich am Tag nach der Beerdigung über den Friedhof, so oft, bis Tränen meine Stimme ersticken. Ich fühlte mich wirklich wie der einsamste Mensch. Vielleicht war Thomas wirklich wie ein Alien, der mit dem Leben hier unten nicht klarkam? Ich wusste im Grunde genommen nichts über ihn. [...]

Ich habe damals lernen müssen, dass Trauer viele Facetten hat. Wie aus einer schrecklichen Wundertüte kamen täglich neue, teils absurde Gefühle in mir hoch – in den unpassendsten Situationen musste ich Tränen lachen, dann hemmungslos schluchzen. Mal fühlte ich Hass, Wut, dann Einsamkeit, Selbstmitleid. Große Angst, dass meinen Eltern etwas zustößt oder dass mir, ihrem letzten Kind, etwas zustoßen könnte. Dazu ein starkes Schamgefühl, Teil einer Familie zu sein, in der „so was“ passiert. [...]
Erst nach und nach lernte ich, von mir aus zu sagen, was ich mir wann von wem an Zuwendung und Hilfe wünschte. [...]
"Mir fällt auf, dass Sie kein schlechtes Gewissen haben“, sagt mein Psychologe irgendwann im Laufe einer sehr intensiven, strapaziösen Therapie. „Sich Vorwürfe zu machen ist eine verständliche Reaktion Angehöriger.“ Er attestiert mir eine außerordentliche Resilienz, auch wenn ich die vielleicht gerade nicht spüren könne. „Sie wird ihnen helfen, mit dieser Tragödie klarzukommen.“ Ich muss danach erst mal googeln, was Resilienz genau heißt. Psychische Widerstandskraft. [...]

Es wäre schön, wenn ich jetzt schreiben könnte, dass ich seit damals mein Leben intensiver lebe oder einfach bewusster. [...] Das ist aber ganz und gar nicht so. [...]
Was ich aber gelernt habe: Man kann im Leben wirklich einiges aushalten und sogar daran wachsen. Auch eine Familie kann das, selbst wenn sie sich danach völlig neu ausrichten muss. Meine Eltern sind an der Katastrophe nicht zerbrochen, weil sie sich lieben. Ich bin sehr empfindsam. Aber ich bin wieder, oder immer noch, ein eher zu Euphorie neigender, lebensfroher Mensch. Trotz oder gerade wegen des Schattens, der sich hin und wieder über meine Seele legt. Ich kann wieder Nähe zulassen und würde von mir behaupten, dass ich angemessen mit Trauernden und dem Thema Tod umgehen kann – meistens. Ich bin so was wie glücklich. Auch weil ich Thomas’ Entscheidung irgendwann akzeptieren konnte – verstehen werde ich sie nie."

aus: Gregor Knuth, Plötzlich Einzelkind: Mein Bruder, der sein Leben nicht mehr wollte, Barbara, Heft August/September 2018, G+J Medien GmbH, Hamburg

Bild: Tim Marshall | unsplash.com
https://unsplash.com/photos/oMI4Xs46ar4

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Donnerstag, 23. April 2020
(001) 1-800-273-8255 alias 0-800/111-0-111
von Logic ft. Alessia Cara, Khalid


SONGTEXT ÜBERSETZUNG:

Ich habe mich versteckt
Ich habe mir Die Zeit genommen
Ich fühle mich als hätte ich meinen Verstand verloren
Es fühlt sich an als ob mein Leben nicht mir gehört
(Wer kann’s nachempfinden?)
Ich habe mich versteckt
Ich habe mir Die Zeit genommen
Ich fühle mich als hätte ich meinen Verstand verloren
Es fühlt sich an als ob mein Leben nicht mir gehört

Ich will nicht am Leben sein
Ich will nicht am leben sein
Ich will heute einfach nur sterben
Ich will nur sterben
Ich will nur sterben
Lass mir dir erzählen warum


All diese andere Scheiße über die ich rede
sie denken sie wüssten es
Ich hab darum gebetet, dass mich jemand rettet
niemand ist heldenhaft
Und mein Leben zählt eh nicht
Ich weiß es, Ich weiß es
Ich weiß, dass ich tief in mir drin leide
aber ich kann es nicht zeigen
Ich hatte nie einen Ort,
den ich mein eigen nennen konnte
Ich hatte nie ein zuhause
niemand der mich auf meinem Handy anruft
Wo warst du? Wo bist du? Was beschäftigt dich?
Sie sagen, jedes Leben ist wertvoll
aber niemand interessiert sich für mich

Ich habe mich versteckt
Ich habe mir Die Zeit genommen
Ich fühle mich als hätte ich meinen Verstand verloren
Es fühlt sich an als ob mein Leben nicht mir gehört
(Wer kann’s nachempfinden?)
Ich habe mich versteckt
Ich habe mir Die Zeit genommen
Ich fühle mich als hätte ich meinen Verstand verloren
Es fühlt sich an als ob mein Leben nicht mir gehört

Ich will dass du am Leben bleibst
Ich will dass du am leben bleibst
Du musst heute nicht sterben
du musst nicht sterben
Ich will dass du am Leben bleibst
Ich will dass du am leben bleibst
Du musst nicht sterben
nun lass mir dir erzählen warum


Es ist der aller erste Atemzug
wenn dein Kopf Unterwasser getränkt wurde
Und es ist die Leichtigkeit in der Luft
wenn du da bist, Brust and Brust, mit einem Liebhaber
Es ist festhalten, obwohl der Weg lang ist
Licht in den dunkelsten Dingen sehen
Und wenn du dein Spiegelbild anstarrst
endlich begreifend wer das ist
Ich weiß, dass du Gott danken wirst, dass du tatest

Ich weiß wo du warst, wo du bist, wo du hingehst
Ich weiß, dass du der Grund bist
dass ich ans Leben glaube
Was ist ein Tag ohne ein bisschen Nacht?
Ich versuche bloß ein kleines Licht auszustrahlen
Es kann schwer sein
Es kann so schwer sein
Aber du musst genau jetzt leben
Du hast genau jetzt alles zu geben

Ich habe mich versteckt
Ich habe mir Die Zeit genommen
Ich fühle mich als hätte ich meinen Verstand verloren
Es fühlt sich an als ob mein Leben nicht mir gehört
(Wer kann’s nachempfinden?)
Ich habe mich versteckt
Ich habe mir Die Zeit genommen
Ich fühle mich als hätte ich meinen Verstand verloren
Es fühlt sich an als ob mein Leben nicht mir gehört

Ich will endlich am leben sein
Ich will endlich am leben sein
Ich will heute nicht sterben
Ich will nicht sterben
Ich will endlich am leben sein
Ich will endlich am leben sein
Ich will nicht sterben
Ich will nicht sterben


Schmerz tut nicht auf dieselbe Art weh, ich weiß
Dieser Weg, den ich bereise, fühlt sich einsam an
Aber ich bewege mich bis meine Beine aufgeben
Und ich meine Tränen im Schnee schmelzen sehe
Aber ich will nicht weinen
Ich will nicht mehr weinen
Ich will am leben sein
Ich will nicht mehr sterben
Oh, ich will nicht
Ich will nicht
Ich will sogar nicht mehr sterben

Übersetzung: Anna Mestisa

Bild: Nate Neelson | unspalsh.com
https://unsplash.com/photos/-nVrF2DL2Jo

ALTERNATIV:
"1-800-273-8255" Songtext Übersetzung

ORIGINAL LIEDTEXT:
"1-800-273-8255" von Logic ft. Alessia Cara, Khalid
(C) 2017 Def Jam Recordings, a division of UMG Recordings, Inc.

MUSIKVIDEO:
"1-800-273-8255" von Logic ft. Alessia Cara, Khalid
(C) 2017 Def Jam Recordings, a division of UMG Recordings, Inc.

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Freitag, 17. April 2020
"Der Blitz schlägt nie zweimal am selben Ort ein."
Diese Redewendung wurde längst wiederlegt, aber sie beschreibt meinen geistigen Zustand dieser Tage ganz gut. In einer historischen Zeit, in der ein Virus die Gesellschaft und Wirtschaft in der ich lebe lahm legt, ist nichts mehr sicher. Es gibt schlichtweg keine Garantien weder seitens des Arbeitgebers noch seitens der Regierung. In der dunkelsten Stunde ist jeder auf sich gestellt. Dieser Wahrheit muss ich wieder ins Auge sehen, nachdem mein Vater gerade mal 14 Monate verstorben ist.

Wenn man mit Suizidtrauer kämpft und sich durch den Schmerz zurück ins eigene Leben durcharbeitet, fühlt man sich stärker und ausdauernder denn je. Ja, man ist fast ein bisschen stolz auf sich einen Teil davon überwunden zu haben. (Auch wenn das heißt einen Teil von sich zu verlieren.) Aber bereit für neue Hürden im eigenen Leben ist man deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil die meiste Zeit kämpft man sich durch den Schmerz mit dem Gedanken: "Es kann nicht mehr schlimmer kommen.". Das ist zum Teil wahr und zum Teil unwahr, denn nie wieder wird ein Suizid einen so unverhofft und gnadenlos umhauen. Aber man ist sich durchaus bewusst, dass keine Tragödie der Welt einen vor einer weiteren Tragödie schützt. Man hofft nur innständig und ganz tief in sich drin, dass jemand anderes den nächsten Einschlag abbekommt. Nicht zuletzt, weil die Wahrscheinlichkeit das ein Blitz exakt dieselbe Stelle unmittelbar wieder trifft sehr gering ist. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit das der 3. und 4. Blitz wieder die Stelle des 1. Blitzes trifft, relativ hoch ist.

In Zeiten wie diesen ist mein Bauchgefühl und mein Instinkt getrübt durch die Dauerbeschallung und Berieselung an Informationen aus den Medien, dem Flurfunk im Büro, dem eigenen privaten Umfeld.
Daher bleibt mir nur eins, auf das Beste hoffen und mich auf das Schlimmste (so gut es geht) vorbereiten. Wieder.

3.4.20

Bild: Luka Vovk | unsplash.com
https://unsplash.com/photos/EngLPePzg7U

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Freitag, 31. Januar 2020
Recht und Schuld
Recht ist nicht immer gleich Recht.
Schuld ist nicht immer gleich Schuld.
Nach Moral urteilt man sehr schnell und sehr persönlich.
Nach Gesetzen ist Recht eine Anwendungsfrage oder Umsetzungsfrage.

Ich spüre die moralische Schuld.
Aber ich weiß um die manchmal mangelenden Möglichkeiten Schuld zu beweisen. Genau das sorgt bei mir für Gewissensbisse. Die Schuldfrage ist immer eine moralische Frage. Gerade weil ich weiß mir geschieht nichts mangels Beweisen, fühle ich mich noch mehr im Zweifel über meine Unschuld und empfinde Schuldgefühle. Die meiste Zeit gewinnt die Vernunft die Oberhand und ich kann das Schuldgefühl ablegen, aber manchmal tauchen unvernünftige Moralvorstellungen auf. Meist werden diese ausgelöst aus Trauer oder aus Sehnsucht. Ich vermisse meinen Vater.
Ich kann niemals sicher bestätigen oder verneinen, dass ich alles getan habe um ihm beizustehen, dass ich alles getan habe um seine letzte Entscheidung zu verhindern.

Ich vermisse diese absolute Sicherheit. Vermutlich war sie auch in der Vergangenheit nie echt, aber darauf kam es nicht mal an. Die Zuversicht das Recht und Moral auf lange Sicht immer gewinnen ist für mich mit ihm gestorben.

Anders ausgedrückt:
Wenn ich den Pudding einer Kollegin im Büro aus dem Gemeinschaftskühlschrank esse, bin ich moralisch definitiv schuldig. Aber kann die Kollegin ihr Recht auf einen Ersatzpudding einfordern? Nur wenn sie beweisen kann, dass ich den Pudding gegessen habe.

Was lernen wir daraus? Schuld und Recht sind theoretisch eindeutig. Aber das Leben ist nicht immer gerecht und schon gar nicht immer fair.

Genießt euren Pudding, solange ihr könnt.

Mein Pudding wird nie wieder derselbe sein.

17./28.01.20


Foto: Delphine Hourlay | pexels.com
https://www.pexels.com/de-de/foto/ausbreitung-dessert-essen-geniesser-691168/

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Dienstag, 28. Januar 2020
Therapie???
Der erste Therapeut und die erste probatorische Sitzung waren eine Enttäuschung. Die Chemie hat nicht gestimmt, aber in meiner Verzweiflung habe ich trotzdem meine Geschichte erzählt. Was mir passiert ist, dass mich hierherführt. Was ich mir erhoffe und weshalb. All das jemandem erzählen, den man nicht kennt, fühlt sich unnatürlich an.
Obwohl von Anfang an ein unwohles Gefühl gegenüber dieser Person da war, habe ich mich dennoch geöffnet. Nun stellte sich raus, dass diese Therapieart hier nicht zu bekommen ist. Da frage ich mich, wozu habe ich nun meine Zeit hier verschwendet? Wozu habe ich meine Gefühle entwertet?
Ich habe gelernt, dass meine Gefühle nur Menschen verdienen, die meine Zeit und meine Liebe oder Freundschaft wert sind. Und nun soll ich diese Gefühle jemandem Fremdes anvertrauen? Ich will Hilfe, aber mir war nicht bewusst wie viel ich investieren muss um diese zu finden und zu bekommen.

Einen Therapeuten finden erinnert mich an die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Es erinnert mich ans daten als ich noch Single war. Eine Sache, die ich lange hinter mir habe.
Als müsste ich jemandes Interesse für mich und meine Probleme wecken. Man kann das nicht erzwingen, aber man muss rausgehen; Menschen begegnen; und sein Herz öffnen. Man muss riskieren enttäuscht zu werden; offen sein; bereit seine Zeit aufzuwenden; man muss jemandem vertrauen lernen; und vor allem muss man es wirklich aufrichtig wollen.
Und selbst wenn all das gegeben ist, kann es noch nach hinten losgehen.

Da stellt sich mir die Frage, ob in diesen mentalen Krieg ziehen es wert ist. Kann ich Heilung von einer Therapie erwarten? Glaube ich an Heilung durch Therapie? Wer sagt mir, dass diese depressiven Gefühle von Dauer sind? Wer sagt, dass ich diese Gefühle nicht durchleben soll? Wer sagt, dass ich diese Gefühle nicht allein bekämpfen bzw. verarbeiten kann? Ich verschließe mich ja nicht davor diese zu verarbeiten.

Vielleicht muss ich mich bloß selber wieder spüren? Vielleicht muss ich nur wieder regelmäßig Sachen tun, die mir Kraft geben? Vielleicht muss ich bloß das hier und jetzt wieder lieben lernen? Vielleicht muss ich bloß mir selbst verzeihen? Lernen mich selbst auch gebrochen noch zu lieben.

Einziger Trost dieser Erfahrung ist diese Bemerkung des Therapeuten: "Sie sind eine starke Person. Das erkenne ich an der Art wie Sie ihre Probleme angehen."

22./23.1.20

Bild: Daniel Mingook Kim | unsplash.com
https://unsplash.com/photos/Pd-bOA-MZQs

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Freitag, 24. Januar 2020
Ohrwürmer Ambivalenz
Meine Musikohrwürmer könnten nicht weiter auseinander liegen in Rhythmus, Stimmung und Bedeutung. Aktuell ist es "Leave out all the rest" (Akustikversion) von Linkin Park und "Prinz Ali" von Manuel Straube vom Aladdin Soundtrack. Diese beiden Lieder sind exemplarisch für meinen mentalen Zustand.

Ich könnte in einem Moment in Tränen ausbrechen und im nächsten Moment ist mir nach tanzen zu mute. Da ist ein starker Tatendrang von einer lebensfrohen Person, direkt neben einer Ohnmacht, nach einer lebensverändernden Erfahrung. Zwei völlig unterschiedliche Stimmungen schlagen in meiner Brust; streiten um die Oberhand; übernehmen Tageweise, Stundenweise, manchmal Minutenweise mein Bewusstsein ein. Ich traue mir selbst nicht. Ich habe mich mental auf 1-2 Jahre Chaos eingestellt, aber ich hatte insgeheim auf schnellere Besserung gehofft. Auch diese Hoffnung wird verschwinden. Es wird neue Ziele geben. When push come to shove, they say...

Ein Auf und Ab scheint Teil des normalsten Lebens zu sein. Ich fühle mich nicht normal. Das ist mir irgendwie endgültig abhandengekommen. Bi-kulturelle Erziehung, Scheidungskind, Patchwork Familie das alles ließ mir ein gewisses Normal Sein. Aber sein Suizid beschwert, erschwert mich. Das ist kein vorrübergehender Zustand, das ist für immer. Kein Wunder also das periodenbedingte hormonelle Tiefs mit meiner Depression zusammen gefühlte Bewegungsunfähigkeit bewirken.

Ich will dieses Gefühlschaos dauerhaft in den Griff bekommen, aber schaffe es nicht mal bei Therapeuten um Termine zu bitten. Kaum das ich anrufe, verwiesen werde, breche in Tränen aus, weil ich mich mit meiner Gefühlswelt überfordert fühle und schuldig zugleich, dass ich diese Hilfe überhaupt brauche. Da ist so viel Scham, so viel "Ich muss doch funktionieren.", so viel "Stell dich nicht so an!", so viel "Du bist erwachsen also mach schon!".

Ich sehe es nüchtern unter meinen Tränen. Beim nächsten Versuch klappt es. Vielleicht.

13.1.20

Bild: AbsolutVision | pixabay.com
https://pixabay.com/de/photos/smiley-emoticon-zorn-w%C3%BCtend-angst-2979107/


"When my time comes
Forget the wrong that I've done
Help me leave behind some reasons to be missed
And don't resent me
And when you're feeling empty
Keep me in your memory
Leave out all the rest"

aus: Leave out all the rest by Linkin Park
aus dem Album Minutes to Midnight, Warner Music
2.1.20


"Prinz Ali, Klasse wie nie, Ali Ababwa
Zeigt ihm Respekt und geht korrekt auf eure Knie
Doch bleibt auch möglichst entspannt
Entstaubt das Sonntagsgewand
Denn sein Gespann sprengt die wildeste Fantasie

Prinz Ali, mächtig wie nie, Ali Ababwa
Voller Kraft, was der so schafft, ratet ihr nie
Sein Mut ist weltweit bekannt
Sein Schwert ist scharf und rasant
Doch der Allerschärfste im Land ist Prinz Ali"

aus: Prinz Ali von Manuel Straube
aus Aladdin Original Soundtrack, von Alan Menkens, Walt Disney Records / Universal Music
12.1.20

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Freitag, 17. Januar 2020
Das Gesicht einer Depression
Ich schaue in unsere Familienfotos. Ich sehe die Fotos vom letzten gemeinsamen Weihnachten 2018. Du warst bei uns, mit uns. Du hast an dem Abend durchaus gelacht. Ich sah und sehe es dir weder auf den Fotos noch in meiner Erinnerung an.

Chester Bennignton sagte mal in einem Interview: "Dieser Ort hier, zwischen meinen Ohren, ist eine miese Nachbarschaft... Ich sollte hier nicht zu lange alleine rumlaufen... Die meisten meiner Probleme habe ich selbst verursacht..."

Diese Aussage ist nach dem Suizid eine ganz andere Nummer. Wir haben es gehört, aber verstehen den Ernst der Lage erst viel zu spät.

4.1.2020

Bild: The Mind Unleashed 2. Dezember 2019

Quelle: The Mind Unleashed 2. Dezember 2019 Facebook
"So sieht eine Depression aus..."

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Montag, 13. Januar 2020
Schlaf
Ich war mein Leben lang gesegnet mit gutem Schlaf. Bis ins erwachsenen Alter habe ich das nie hinterfragt, sondern als gegeben und geerbt verstanden.
Erst später traff ich Menschen, deren Schlaf schlecht bis quälend für sie ist. Seitdem versuche ich zu verstehen, wo der Unterschied zwischen mir und ihnen liegt.

Meine Genetik und meine Gesundheit spielen eine große Rolle bei dem Thema. Aber inzwischen bin ich überzeugt, dass meine Psyche und v.a. mein reines Gewissen die größere Rolle hierbei spielen. Ich führe mein Leben so Gewissenhaft wie ich kann. Bei meiner Erziehung gespickt mit katholischen Schuldgefühlen, ist das wohl kaum ein Wunder. Außerdem habe ich oft genug erlebt wie mein schlechtes Gewissen oder mein Unterbewusstsein oder meine Psyche mir im Schlaf die graußigsten emotionalen Alpträume verschafft haben.

Einerseits ist das gut und richtig, weil mich diese Träume zur Auseinandersetzung mit meinen Gefühlen zwingen und für einen freien Kopf sorgen. Andererseits ist diese verkopfte Art von mir bei einer echten Krise problematisch.

Ich bin ein Macher, wenn es darum geht Krisen zu bewältigen. Da aber bei der Verarbeitung eines Suizid vor allem Geduld und Zeit essenziell sind, bedeutet das einen Schritt nach den anderen gehen und durchleben. Das widerrum bedeutet für mich meine Gedanken lange aushalten oder zum Schweigen bringen und heftige Träume durchleben. In meinen Träumen greift meine Psyche Probleme an, vor denen ich wach regelrecht weglaufe. Sie sind mir zu viel im wachen Zustand. Die Folge ist Schlafentzug. Ich gehe nicht mehr gerne schlafen, weil zu oft Alpträume auf mich warten, die meiner Realität viel zu ähnlich sind.

Wie viel Glück man im Leben hatte, weiß man immer erst wenn es nachlässt.

Nun lerne ich wieder mich zu verausgaben ehe ich schlafen gehe oder lerne mit weniger Schlaf zu recht zu kommen. Alles um meiner Psyche nicht zu viel Zeit auf ein mal für Aufräum-Aktionen in meinen Gedanken zu geben. Wer weiß was sie dabei dort findet?

Die Ungewissheit begleitet uns alle, aber je schlimmer unsere Lebenserfahrung ist, je größer können sich Ängste vor der Ungewissheit aufbauschen. Der Suizid meines Vaters ist Teil meiner Lebenserfahrung, ich werde der Ungewissheit immer mehr Dunkelheit zutrauen als Menschen mit anderen Erfahrungen.

Die Ungewissheit nach diesem Einschlag hat mir mein Selbstvertrauen verhagelt. Es ist nicht verloren, aber es hat einen schweren Schlag erlitten. Es fühlt sich an als ob meine Psyche das gehen erneut erlernen müsse.

Alles was ich mir selbst schenken kann, bei diesem Prozess ist Zeit und viel, sehr viel Geduld.

Dabei werde ich Menschen in meinem Leben verlieren. Auch wenn dann schöner weise nur die für mich guten Menschen übrig bleiben werden, so wird sich mein Radius, mein Umfeld einschränken. Das ist machbar, aber eben nicht freiwillig und schon gar nicht schön.

Das erste Einschlafen fällt mir leicht, dass wieder einschlafen hingegen gelingt mir so gut wie nie seit seinem Tod.

Ich erinnere mich selten an meine Träume, aber fast immer an das vorherrschende durchlebte Gefühl meines Traumes. Kein Wunder also das ich mit depressiven Wachgefühlen reagiere. Es füllt sich auswegslos an, als ob ich immerzu im selben Labyrinth feststecke. Ich kenne den Weg raus, aber ich traue mich nicht zu gehen. Vermutlich weil das Labyrinth längst in mir steckt. Und ich nicht erwarten kann, dass jeder dieses mit mir aushält. Das macht einsam.
Trauern findet viel allein statt. Jeder hat ein anderes Tempo und einen anderen Bezugspunkt zum Verstorbenen.

Es wird besser mit jedem Schritt im Labyrinth, aber es wird anders.

19.11.19

Bild: geralt | pixabay.com
https://pixabay.com/de/photos/schlafen-frau-gehen-allein-angst-2754908/

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Freitag, 27. Dezember 2019
DONE
Herz: Ich bin fertig. Ich kann nicht mehr.

Hirn: Du bist fertig?

Hirn: Du bist verletzt. Du bist ausgelaugt. Aber du bist NICHT FERTIG.

Herz: Okay, dann ruhe ich mich bloß aus.
Hirn: Okay.

The Awkward Yeti · 26. November 2019

Bild: Heart and Brain by The Awkward Yeti · 26. November 2019

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